Können Smartphones Profikameras ersetzen?

Auf diversen Portalen tauchen in der heutigen Zeit Fotos auf, die wirklich professionell anmuten. Damit einhergehend wird häufig die Frage nach der verwendeten Kamera gestellt. Zu Recht?

 Als Profifotograf arbeite ich mit Vollformat-Spiegelreflexkameras von Nikon. Doch die Frage, ob heutige Smartphones ein derartiges System ersetzen können, ist berechtigt. Brauchst Du für professionell aussehende Aufnahmen wirklich ein Kamerasystem für mehrere 1000€ oder reicht das Smartphone tatsächlich? Dieser Frage gehe ich heute auf den Grund.



Um der ganzen Sache auch einen Hauch von Realismus zu verleihen, vergleiche ich natürlich nicht das iPhone 3G mit einer Nikon D800. Mein Equipment für diesen Test besteht aus dem iPhone 5, dem Xperia Z3 von Sony und dem iPhone 6s Plus. Für den Vergleich der Bild- und Videoqualität treten für den professionellen Bereich die D800 von Nikon, für den gehobenen Consumerbereich die D7000 von Nikon und die a6000 von Sony an.

Das Smartphone als Videokamera

Durch die unterschiedlichen Sensoren der Geräte ist ein realistischer Vergleich natürlich schwierig.
Jedoch muss ich sagen, dass die Videoqualität der iPhones durchaus mit der Sony a6000 mithalten kann. Auch das Sony Xperia Z3 schlug sich tapfer in Sachen Videoqualität. Die 4K-Aufnahmen laufen flüssig und liefern auf dem 27“ iMac ein tolles Bild. Selbiges gilt für die 4K-Aufnahme des iPhone 6s Plus. Diese beiden Geräte liefern wirklich eine tolle Qualität, die sich mit der a6000 von Sony messen können. Jedoch lediglich in Anbetracht der reinen Videoauflösung. Der wesentlich größere APS-Sensor der a6000 liefert Dynamik und reduziert auch bei höheren ISO-Werten das Rauschen.

Nicht unwesentlich ist natürlich auch die Tauglichkeit für Vlogs. Hier habe ich zur Veranschaulichung einen Vlog nur mit Smartphones gedreht, den Du hier anschauen kannst:

Die Nikon D800 ist durch ihren Vollformatsensor mit diesen Geräten nicht zu vergleichen. 
Auch ist sie nicht vlogtauglich, da sie keinen Hybrid-AF besitzt und durch ihre Größe und ihr Gewicht eher schwer zu handhaben ist.

Smartphone-Videos: zwischendurch perfekt – für Profis untauglich

Heutige Smartphones können mit professionellen Kameras mithalten. Abstriche musst Du jedoch einplanen. So ist die Videoauflösung zwar ebenbürtig, das Rauschverhalten und der Dynamikumfang aber nicht. Wenn Du im Alltag filmen möchtest, so reichen moderne Smartphones in jedem Fall. Auch für Kurzfilme bei gutem Licht sind iPhone und Co. eine gute Alternative zu teuren Spiegel- oder Systemkameras. 
Beschäftigst Du Dich hauptsächlich mit Vlogs? Dann greif auf ein Smartphone zurück, nutze die HD-Frontkamera oder sogar die FullHD-Kamera auf der Rückseite. Wie Du in meinem Beispielvlog sehen wirst, musst Du aber Abstriche bei der Tonqualität und beim Lowlight machen. Hier arbeitet die a6000 wesentlich besser.
Für professionelle Filme reichen Smartphones meiner Meinung nach nicht aus. Hier solltest Du etwas mehr investieren und ein System kaufen, welches speziell für diese Anwendungsbereiche konzipiert ist und nicht auch noch zum Telefonieren und Surfen.
Mit einer Kamera kann man einfach keine Mails schicken oder bei WhatsApp die neuesten Informationen von Alf erhalten.

Das Smartphone als Fotokamera

Nachdem wir uns die Videotauglichkeit angesehen haben, müssen wir natürlich noch schauen, wie es mit der Bildqualität beschaffen ist.

Die von mir verwendeten Geräten haben völlig unterschiedliche MP-Werte und Kamerakonfigurationen.

Als Profi ist mein Anspruch an ein Bild sehr hoch. Nicht nur die Schärfe oder die Belichtung machen ein Bild aus, sondern auch die Details. Dass ein Smartphone mit einem sehr kleinen Sensor (iPhone 6s Plus: 6,2 mal 4,6 Millimeter) nicht die Detailtiefe eines Vollformatsensors 36 mal 24 Millimeter) erreichen kann, ist logisch. Daher werde ich die Geräte hinsichtlich der Bildqualität und Dynamik vergleichen.

Antreten werden in diesem Vergleich folgende Modell mit folgenden Spezifikationen:

  • iPhone 5 : 8 MP, f2,4, 28mm Festbrennweite
  • iPhone 6s Plus : 12 MP, f2,2 , 29mm Festbrennweite
  • Sony Xperia Z3 : 20,7 MP, f2,0, 25mm Festbrennweite

Als professionelle Konkurrenz schicke ich:

  • Nikon D800, 36 MP und
  • Sony a6000, 24 MP

an die Startlinie.

smartphone_kameravergleich
iPhone 5, iPhone 6s Plus, Systemkamera Sony a6000 und das Sony Xperia Z3 im Vergleich
nikon_d800
Zum Vergleich: Ein Foto mit der Nikon D800

Fazit: Immer weniger Privatanwender werden zusätzlich eine Kamera besitzen

Die Handhabung der Smartphones ist sehr gut und die Bilder gelingen so gut wie immer. Das Xperia Z3 wartet sogar mit einem manuellen Modus auf. Dieser ist jedoch nicht mit jenem einer professionellen Kamera zu vergleichen. Besonders bei wenig Licht unterdrückt das Sony das ISO-Rauschen bis zur Verwaschung. Ein sehr unschöner Effekt. Hier hätte ich mir, gerade von Sony, etwas mehr erwünscht. 
Die iPhones schneiden, wie auch bei der Video- und Tonqualität, bestens ab. Auf den ersten Blick können also Smartphones durchaus eine Profikamera ersetzen. Aber bei näherer Betrachtung fehlt es an zu vielen Dingen. Klar, ein gutes Foto gelingt mit iPhone und Co. Aber schon das Fehlen von Einstellugsmöglichkeiten schlägt auf die Kreativität. Weiterhin fehlt es an Objektiven.

Meiner Meinung nach bist Du gut bedient mit deinem Smartphone, wenn Du gerne und viel Fotografierst und immer einsatzbereit sein möchtest. Selbst gegen die Abendsonne fotografierst du mit den iPhones wirklich gut. 
Für den professionellen Einsatz bleibt es jedoch bei einer professionellen Kamera. Hier hast Du die Möglichkeit, Objektive frei zu wählen, Tiefenschärfe und Belichtung zu bestimmen. Ein absolutes Muss für einen Profi.

Thorsten Giffey
Thorsten Giffey
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Hallo, ich bin Fine-Art Fotograf aus Halle und schreibe für Clikr.de über die Themen Fotografie und Video.

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