7 Arten von Fotografen, die jeder kennt

Jeder kennt sie und hat auch eine Meinung über sie: Fotografen.
 Nur stellt sich die Frage: Was ist eigentlich ein Fotograf?
Als Fotograf, der ich selber bin, habe ich mir diese Frage auch schon sehr oft gestellt. Es gibt auch eine recht einfache Antwort auf diese Frage. Ein Fotograf ist jemand, der mit Licht malt. Sich künstlerisch durch den Umgang mit Licht entfaltet. Das ist jedoch eine veraltete Definition, wie ich finde. Auf die heutige Zeit gemünzt könnte man postulieren, dass ein Fotograf einfach jemand ist, der eine Kamera sein eigen nennt, diese benutzt und das Ergebnis nach gefühlten 100 Versuchen auf einer sozialen Plattform veröffentlicht. Dabei bedarf es noch nicht ein mal einer Kamera im klassischen Sinn. Auch ein Smartphone macht einen Fotografen. Im Laufe der Zeit habe ich viele Fotografen, die der heutigen Definition entsprechen, kennengelernt und sie in 7 Klischees eingeteilt.

Der Paparazzi

Er ist ein klassischer Blaulicht-Fotograf. Immer rennt er von A nach B, um ein Foto zu machen. Man trifft ihn auf jeder kleineren und natürlich auch größeren Stadtveranstaltung. Meistens bewaffnet mit einer Consumer-Kamera der mittleren Güte und einem Kit-Objektiv mit leichtem Telezoom und gütigem Weitwinkel. Grundsätzlich fotografiert er JPEG oder JPEG und RAW, weil ein Bekannter ihm das geraten hat. Zudem werden die Bilder meist überentwickelt und ist unechten Effekten veredelt.

Der Akademiker

Der gelernte Fotograf, der sich als Jugendlicher dazu entschlossen hat, diesen Beruf in seinem späteren Leben auszuüben, ohne sich genau darüber im Klaren zu sein, was es eigentlich bedeutet. Schon immer hat er gerne mit der Kamera seiner Eltern fotografiert und sich aus diesem Grund für die Ausbildung entschlossen. Meist besitzt er einen eigenen, kleinen Fotoladen. Dort entwickelt er Fotos selber, fotografiert vor einer statischen Leinwand mit seiner auf einem Stativ befestigten Kamera immer den gleichen Ausschnitt und verdient sein Geld hauptsächlich zu Weihnachten oder bei gelegentlichen Familienshootings. Dafür baut er nicht auf künstliche Effekte sondern auf statisches Licht und erprobten Winkel. Zudem bemächtigt er sich verschiedensten Accessoires wie Rosen oder Hüten. Abgesehen von diesem Tätigkeitsbereich sitzt er mit einer Tasse Kaffee von 9:00 bis 18:00 in seinem Geschäft und wartet auf Kunden für biometrische Passfotos.

Der Zauberer

Eines meiner liebsten Klischees ist „der Zauberer“. Sowohl bewundert als auch beneidet ist er immer auf Reisen. Stets hat er die neuesten Kameramodelle, natürlich aus dem professionellen Segment und häufig Systemkameras, die aktuellsten Geräte der Firma Apple und vor Allem jede Menge Spaß an der Sache. Wenn er mal einen Auftrag macht, dann prangt unter der Rechnung der Hinweis auf die Kleinunternehmerregelung. Sein Instagram-Account quillt förmlich über, sowohl an Abonnenten als auch an Bildern von seinen Reisen oder den dort verzehrten Speisen. Heute ein Bild aus Tokio, morgen von der Brooklyn-Bridge. Seine Bilder veröffentlicht er zudem kostenlos auf unsplash.com. Doch trotz der gefühlten 650K Abonnenten fragt man sich immer wieder: Wo bekommt er nur sein Geld her? Wahre Magie in meinen Augen.

Der Schönwetter-Fotograf

Kurz und Knapp: wenn alle Parameter stimmen, werden auch die Bilder gut. Die nicht mal schlechte Consumer-Kamera tuckert in einem der vielen Automatikmodi vor sich hin und der Fotograf freut sich über seine gelungenen Werke. Stören tut dies die Kamera nicht, denn sie hat sehr viel Zeit zwischen den Familienfesten und Urlauben, um sich von ihrer Unterforderung zu erholen. Arm sind nur die Wildpferde unter den Kameras dran. Sie wollen so gerne laufen aber werden im Handschuhfach des Autos eingesperrt, um bei einem Unfall sofort parat zu sein. Andere wiederum sehen nur die schönste Orte während der Urlaube und können die restliche Zeit schlafend in einer Schublade liegen. Wie ungerecht, nicht wahr?

Der Alleskönner

Eine wahre One-Man-Show ist dieser Vertreter. Er ist nicht einfach Fotograf. Er fertigt nicht nur Portraits und Stock-Fotos an, ist auf Hochzeiten zu finden und putzt sein Equipment. Er ist zudem Texter für Homepage-Projekte, SEO seiner eigenen „Firma“ und Sales-Manager in Personalunion. Von Allem etwas, aber nichts so ganz. Das ist der Alleskönner. Man findet ihn gehäuft in Bürogemeinschaften, in denen er sich einen Schreibtisch mit drei weiteren Alleskönnern teilt.

Der Extrovertierte

Einen Haufen Equipment bringt der extrovertierte mit zum Shooting. Die Kamera muss nicht die beste sein, aber sie muss die größte sein. Dabei ist er stets auffällig gekleidet und hat eine sympathische, lockere Art. Er nimmt sich viel Zeit für seine Kunden und Modelle, sieht sich aber eigentlich am liebsten selbst auf Bildern. Anders als viele Fotografen möchte er nicht unauffällig sein und nur für seine Bilder beachtet werden, sondern auch für seine Person oder sein Equipment. Oder gar nur für seine Person. Hier besonders auf sozialen Plattformen, auf denen in der Regel Selfies gepostet werden.

Der Künstler

Zu guter Letzt haben wir den Künstler. Den eigentlichen Fotografen. Er erlernt im Laufe seines Lebens immer neue fotografische Techniken aber hält seinem eigenen Stil dabei stets die Treue. Er schaut sich nichts ab bei anderen sondern lebt genau seine Art zu sehen aus. Auch Durststrecken überwindet er damit. Wenn er Arbeiten anfertigt, sind diese stets zeitintensiv. Er macht sich genaue Gedanken und fertigt einen Kunden nicht einfach ab. Ansonsten hat er aber Zeit ohne Ende. Ihm ist Luxus nicht wichtig, so lange er etwas zu fotografieren hat und seine Arbeiten für seinen eigenen Stil geschätzt werden. Zudem betätigt er sich auch multimedial, denn seine Kunst ist der Umgang mit Licht, Perspektive und Schärfe. In seinem Kopf ist es dadurch etwas wirr und so häufen sich 1000 angefangene Projekte, von welchen er die wenigsten fertigstellt.


Das waren sie – meine 7 Fotografenklischees. Ich bin sicher, dass es noch mehr gibt und diese nur darauf warten, beschrieben zu werden. Ihr kennt noch mehr? Dann fühlt euch frei, zu kommentieren.
Wenn mich jemand fragt, zu welchem dieser Klischees ich mich selber zähle, dann kann ich darauf keine klare Antwort geben. Ich denke, in jedem Fotografen sind Anteile von allen hier genannten. Wenn ich mich jedoch festlegen müsste, dann wäre ich irgendwo zwischen dem Künstler und dem Extrovertierten.

Thorsten Giffey
Thorsten Giffey
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Hallo,

ich bin Fine-Art Fotograf aus Halle und schreibe für Clikr.de über die Themen Fotografie und Video.

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