Das Urteil zum Facebook-Plugin – Ein Kampf auf Kosten der Blogger [Kommentar]

Das Landgericht Düsseldorf hat in einem aktuellen Urteil entschieden, dass der Einsatz des Page-Plugins von Facebook rechtswidrig ist – ein Kampf auf dem Rücken der Webseitenbetreiber und ein Beweis dafür, dass die deutsche Rechtsprechung uns für absolut unmündige Nutzer hält.

Was ist passiert?

Dass Facebook, Google und andere Internetriesen nicht gerade der Traum eines Datenschützers ist, sollte mittlerweile allgemein bekannt sein. Die Einbettung von Youtube-Videos, die Bereitstellung von Like- und Share-Buttons oder auch die kleine Google-Map auf der Kontaktseite eines Unternehmens sind offensichtlich nicht Daten, die der Seitenbetreiber zur Verfügung stellt, sondern die von von eben diesen Firmen ausgeliefert werden. Dabei werden von den Betreibern der jeweiligen  Webdienste beispielsweise IP-Adressen und Browser-Version abgefragt oder Cookies gesetzt. In dem Urteil des Düsseldorfer Landgerichts ging es konkret um die Erhebung von solchen Daten durch Facebook. Durch die Einbettung eines Page-Plugins kann Facebook herausfinden, auf welchen Websites die Nutzer unterwegs sind um dann zielgerichtet Werbung schalten zu können. Etwas beunruhigend: Facebook kann auch Daten von Internetnutzern erheben, die keinen Facebook-Account haben und auswerten, falls später ein Facebook-Account anlegt wird.
Durch das aktuelle Urteil müssen bestimmte Plug-Ins von Facebook, Google und Co, die solche Daten übermitteln mit einem „Opt-In“ versehen werden, die den Nutzer aufklären, was bei der Aktivierung passiert.

Falls du dich für mehr technische Hintergründe interessierst: Mobilegeeks und allfacebook haben dazu sehr gute Artikel geschrieben.

Die Folgen für Webseitenbetreiber, Blogger und Co

Das Web 2.0 zeichnet sich durch soziale Interaktionen aus. Blogger und andere Webseitenbetreiber stellen ihren Lesern hochwertigen Content zur Verfügung und bauen darauf, dass diese wiederkehren, auf Facebook ein „Gefällt mir“ da lassen und durch das Teilen von Artikeln neue Leser generieren. Durch die erzeugte Reichweite können sie ihr Projekt mit Hilfe von Werbung finanzieren. Durch die neuen Regelungen wird es immer schwieriger für den Besucher eines Blogs, Inhalte zu teilen. Jeder zusätzliche Klick bis zum Share vermindert auch die Anzahl der Interaktionen – ein durch Facebook erzeugtes Datenschutzproblem wird nun auf Kosten von Seitenbetreiben gelöst.
Zurzeit ist kaum bekannt, wie tiefgreifend Veränderungen stattfinden, denn in dem Gerichtsurteil ging es um das Page-Plugin von Facebook. Doch was ist mit anderen externen Ressourcen? Google kann auch IP-Adressen und Browserversion herausfinden, wenn sich die Internetseite an Google Fonts bedient. Auch Google kann so Nutzerprofile erstellen und der Datensammelwut frönen. Inwiefern dürfen wir in Zukunft noch externe Ressourcen verwenden? Wie wird eine rechtssichere Webseite in 5 Jahren aussehen, wenn alles, was in den letzten Jahren dynamischer wurde nun nicht mehr rechtskonform ist?

Die Sorgen von Datenschützern sind absolut berechtigt, doch entsteht bei mir der Eindruck, dass deutsche Gerichte einen Hammer in der Hand haben und alles wie ein Nagel aussieht. Da es wesentlich schwieriger ist, ausländische Unternehmen für Datenschutzverstöße zur Rechenschaft zu ziehen, werden nun die leichter Erreichbaren zur Kasse gebeten.

Website rechtssicher
Die rechtssichere Website in fünf Jahren?

Gratiskultur, aber bitte ohne Werbung und Datenerhebung

Durch das Austragen der Datenschutzkämpfe auf Kosten der Blogger entsteht ein massiver Wettbewerbsnachteil. Anstatt Verursacher des Problems zur Rechenschaft zu ziehen, wird es immer schwieriger für Publisher unabhängig zu sein. Kostenloser Content funktioniert nur über Datenerhebung durch Werbenetzwerke und einfache Share-Möglichkeiten. Jeder auch nur halbwegs selbstständig Denkende erkennt, dass ein Publisher dafür auf Dienste von Facebook und anderen Plattformen zurückgreifen muss. Diese zu nutzen und mit seinen persönlichen Daten zu bezahlen liegt ganz in der Hand des Einzelnen. Ebenfalls liegt es in seiner Hand, eine VPN-Verbindung zu benutzen, Cookies und Javascript zu deaktivieren und auf dynamischen Inhalt zu verzichten. Solche Entscheidungen werden uns in Zukunft wohl immer mehr abgenommen. Herzlich willkommen im unfreien Markt des Internets. Wir sollten uns vielleicht schon mal daran gewöhnen, dass Menschen, die denken, dass HTML eine Programmiersprache ist (jedenfalls kommt es einem so vor. wenn man sich das Urteil durchliest), über die Zukunft des Netzes entscheiden.

Richard Karsten
Richard Karsten
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Moin! Ich bin Richard, VWL-Student in Halle, Gründer von webdasein und clikr. Ich mag schicke Weboberflächen, Pixel, noch mehr Pixel und SCSS.

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